Im Frühling fand auf dem Areal der BERNEXPO Groupe die 73. Ausgabe der BEA statt – mit über 200 Kühen, 250 Pferden und 350 Geissen, aber auch rund 330’000 Besuchenden verteilt über zehn Messetage. Dazu kamen mehr als 70 Gastro-Angebote. So wurden über 23'000 Hot Dogs verkauft, 150'000 Biere gezapft und 170'000 Essensportionen serviert. Kurz: Es war einiges los.
Vor, während und nach der Frühlingsmesse ist auch die IT der BERNEXPO Groupe immer wieder gefordert, obwohl die BEA im Verglich zu anderen Anlässen keine «aussergewöhnlichen» Anforderungen an die IT-Infrastruktur stellt. «Hier kommt unser System primär für die jeweiligen Eingänge, also Kassenhäuser und Drehkreuze, zum Einsatz», erklärt Yves Menge, Head of IT Services.
Ganz anders sieht das aus, wenn beispielsweise die Berufsmeisterschaften SwissSkills in den Hallen der BERNEXPO stattfinden. Für diesen Anlass allein verdoppeln Menge und sein Team während zwei Wochen die Netzwerkkapazitäten (LAN und WLAN), ergänzen verschiedene spezifische IT-Lösungen und implementieren zusätzliche Sicherheitskonfigurationen. Etwas, das ohne die neue IT-Infrastruktur kaum umsetzbar wäre, aber dazu später mehr.
IT in einem Umfeld, das sich ständig verändert
Jede Messe und jeder Event setzt andere Schwerpunkte in Sachen IT. Die BERNEXPO Groupe arbeitet also in einem Umfeld mit einer hohen Bandbreite an Anforderungen an Infrastruktur und Services, von Verfügbarkeit über Kapazität bis hin zu Sicherheit. Diese gilt es tagtäglich zu adressieren und dazu passende, individuelle Services zu entwickeln. Live-Events sind zudem Termingeschäfte. Ein Anlass startet an Tag X um Uhrzeit Y, unabhängig davon, ob die IT ihr Projekt abgeschlossen hat oder noch Probleme bestehen. In anderen Worten: Es gibt keine Verschiebungsmöglichkeit und in den meisten Fällen keinen zweiten Versuch.
Hinzu kommt die Integration unterschiedlicher Systeme. Neben einer «klassischen» IT mit Netzwerk, Server und Clients umfasst die IT-Landschaft der BERNEXPO Group ebenfalls Gebäudetechnik, Zutritts- und Sicherheitssysteme oder Multimedia-Applikationen. Gleichzeitig müssen teilweise Jahrzehnte alte Technik, etwa in den bestehenden Messehallen, und hochmoderne Systeme wie in der neuen Festhalle auf einer Plattform zuverlässig betrieben werden.
Charakteristisch ist zudem, dass die meisten Installationen ausserhalb der Büroräumlichkeiten grundsätzlich als temporär gelten und fortlaufend konzipiert, implementiert, betrieben und nach dem jeweiligen Anlass wieder zurückgebaut werden. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass Zeitfenster, in denen keine Anlässe stattfinden, und somit «in Ruhe» grössere IT-Anpassungen vorgenommen werden könnten, selten sind.
Mit über 350 Veranstaltungen pro Jahr lassen sich auch Wartungsfenster nur schwer planen. Während Grossanlässen wie der BEA gilt gar ein System Freeze: Umbauten oder Updates sind in dieser Zeit tabu, ausser in absoluten Ausnahmefällen, beispielsweise aufgrund von sicherheitsrelevanten Problemen.
«Dieser stetige Wechsel und die kurzen Zeitfenster erfordern eine hohe Flexibilität. Gleichzeitig gilt es, das System in einem stabilen und sicheren Zustand zu betreiben», führt Yves Menge aus. Kritische Systeme sind deshalb redundant ausgelegt, um eine möglichst hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten. Backup-Szenarien reduzieren das Risiko von Ausfallzeiten zusätzlich.
Die verschiedenen Massnahmen zeigen Erfolg: IT-Ausfälle sind auf dem BERNEXPO-Areal die Ausnahme. Und falls doch einmal etwas geschehen sollte, so stehen für die meisten Prozesse und generellen Abläufe analoge Notfallszenarien bereit. Damit ist sichergestellt, dass Anlässe in den allermeisten Fällen ohne Unterbrechung durchgeführt werden können.
Im Kern betreibt die BERNEXPO Group eine KMU-typische On-Premise-Infrastruktur auf einer Virtualisierungsplattform mit rund 60 virtuellen Systemen, verteilt auf zwei lokale Rechenzentren. Die Datenhaltung erfolgt primär auf lokalen Storages. Die kritische Grundlage für alle Veranstaltungen bildet jedoch das Netzwerk. Dieses erstreckt sich über das gesamte Gelände, Innen- und Aussenbereiche, und muss sowohl in «ruhigen» Zeiten als auch unter höchster Belastung zuverlässig funktionieren.
Im «normalen» Geschäftsbetrieb sind etwa bis zu 450 Endgeräte per Kabel und bis zu 300 via WLAN verbunden. Bei einem Grossanlass kann die Zahl rasch auf 3000 bis 5000 klettern. Um solche Spitzenlasten zu bewältigen, wurde die Infrastruktur entsprechend dimensioniert: Knapp 200 Wireless Access Points (davon 75 für temporäre Installationen) und rund 70 Switches (40 temporär) stehen bereit. Dazu kommen zwei Hybrid-Gateways.
Für die Kapazitätsplanung kombiniert man Erfahrung mit konkreten Berechnungen. Es gibt verschiedene Nutzungsszenarien, die durchgespielt werden – etwa für Fachtagungen mit hoher Konnektivität oder Veranstaltungen mit vielen ausländischen Gästen. So konnte man bislang selbst grösste Belastungsspitzen meistern, ohne Abstriche bei der Performance.
Neben der Performance stellt die Netzwerksicherheit eine zentrale Herausforderung dar. «Klassische Ansätze wie strickte Firewall-Regeln oder inhaltsbasierte Web-Filter lassen sich aufgrund der notwendigen Flexibilität nur eingeschränkt umsetzen», verrät Menge.
Parallel zur Weiterentwicklung des Areals, Stichwort «Neue Festhalle», hat die BERNEXPO Groupe in den vergangenen Jahren auch ihre IT-Infrastruktur gezielt erneuert. Im Fokus stand dabei kein grundlegender Umbau, sondern die kontinuierliche Weiterentwicklung der bestehenden, bewährten Umgebung.
Im Netzwerkbereich betrieb man bis im letzten Jahr noch getrennte Wired- und Wireless-Infrastrukturen. «Beide Systeme liefen stabil und Leistungsengpässe waren selten. Doch der Betrieb über unterschiedliche Hersteller und Tools bedeutete zusätzlichen Aufwand», erklärt Yves Menge. Entsprechend entschied man sich, LAN und WLAN zu konsolidieren.
Heute kommt im gesamten Netzwerk HPE Aruba Networking zum Einsatz, vom Access Point in der Messehalle bis zu den Switches im Datacenter. Gesteuert wird die Umgebung über Aruba Central und ergänzt durch eine zentrale NAC-Lösung auf Basis von Aruba ClearPass.
Die Vereinheitlichung hat die Konfiguration und das Monitoring erheblich vereinfacht und den täglichen Betrieb der vielfältigen Infrastruktur spürbar erleichtert. Laut Menge lassen sich nun zum Beispiel viele Konfigurationen frühzeitig online erfassen und dann automatisch auf die temporär eingesetzten Netzwerkkomponenten übertragen.
Parallel zum Netzwerk wurde die ebenfalls bereits auf HPE-Technologien basierende Server- und Storage-Infrastruktur weiterentwickelt. So hat beispielsweise eine HPE Alletra die bisherige Nimble-Umgebung ersetzt. Entscheidend waren dabei weniger «klassische» Faktoren wie Skalierbarkeit und Performance als vielmehr die Stabilität und eine einfache Verwaltung im laufenden Betrieb.
Ergänzt wird das Setup durch HPE GreenLake, wobei die Wahl dafür weniger auf konkreten Anforderungen als auf dem bestehenden Nutzungskonzept basierte. Die «alte» Server-Hardware bleibt bei der BERNEXPO Groupe über mehrere Jahre als sekundäre Infrastruktur im Einsatz, etwa für interne Test- oder Entwicklungssysteme. Im Storage-Bereich ist ein solcher Weiterbetrieb aufgrund steigender Ausfallrisiken allerdings kaum sinnvoll. «Deshalb haben wir uns für HPE GreenLake entschieden. So können wir die zentrale Storage-Infrastruktur in regelmässigen Abständen erneuern», sagt Yves Menge.
Gewachsene Partnerschaft mit der WAGNER AG
Die Infrastruktur-Erneuerung der BERNEXPO Group erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der WAGNER AG, die das Unternehmen und seine IT bereits seit über zehn Jahren kennt und begleitet. Ursprünglich als reiner Hardware-Lieferant für das Rechenzentrum engagiert, konnte zuletzt nicht nur die Zusammenarbeit im Netzwerk- und Service-Bereich, sondern auch rund um das Thema Software-Lizenzierung immer weiter vertieft und ausgebaut werden.
So hat sich die WAGNER AG gemäss Menge über die Jahre zu einem der wichtigsten IT-Partner der BERNEXPO Groupe entwickelt und ergänzt die interne IT-Abteilung punktuell mit zusätzlicher Manpower und Expertise. «Ich schätze besonders, dass ich bei der WAGNER AG seit Jahren verlässliche Ansprechpartner habe, die unsere Bedürfnisse kennen und passende Lösungen erarbeiten.»
Mit jedem Projekt hat sich darüber hinaus auch das gegenseitige Know-how weiterentwickelt. Anforderungen werden inzwischen schneller verstanden und zielgerichtet umgesetzt. «Es hat sich eine echte Vertrauensbasis entwickelt, die ein effizientes und konstruktives Miteinander ermöglicht», meint der Head of IT Services. «Nicht zuletzt aufgrund dieser gewachsenen Zusammenarbeit, der Flexibilität und Qualität würden wir uns heute wohl erneut für die WAGNER AG entscheiden.»
Auch künftig setzt die BERNEXPO Groupe auf eine schrittweise Weiterentwicklung ihrer IT. Ein Thema ist dabei die Cloud. «Gewisse Systeme müssen wir lokal vor Ort betreiben», so Yves Menge. «Man stelle sich vor, die Hallen sind voll und wir sind nicht mehr in der Lage, die Gebäudetechnik zu steuern oder eine allfällige Evakuierung durchzuführen.» In solchen Situationen ist es laut ihm entscheidend, unabhängig von externen Verbindungen handlungsfähig zu bleiben. Für weniger kritische Anwendungen wird jeweils geprüft, ob der Betrieb on Prem oder in der Cloud langfristig sinnvoll ist. Wo ein klarer Mehrwert entsteht, kommt die Cloud zum Einsatz.
Ebenso steht, wie wohl bei den meisten Unternehmen, das Thema KI weit oben auf der Agenda. «Wir befinden uns aktuell allerdings noch in der Analyse- und Evaluationsphase», berichtet Menge. «Ziel ist es, die KI gezielt entlang unserer Wertschöpfungskette einzusetzen, was in unserem Umfeld spannend und zugleich sehr herausfordernd ist.»
Mit diesen gezielten Weiterentwicklungen schafft die BERNEXPO Groupe die Grundlage, um auch künftige Events, von BEA bis SwissSkills, zuverlässig und flexibel zu unterstützen.